Walepole-Nornalup National Park
Für heute sind 34 Grad und Wolken angesagt - passendes Wetter für den nächsten Nationalpark-Besuch. Nach dem Frühstück fahren wir zur Valley-of-the-Giants-Road, welche durch einen großen Tingle-Tree-Wald führt. Diese Bäume können bis 75m hoch bei einem Umfang von 20m werden.
Eigentlich wollen wir dort den Tree-Top-Walk durch die Baumwipfel machen - $50 dafür finden wir jedoch übertrieben und gehen lieber den Ancient-Empire-Walk, der uns zwischen den Baumriesen hindurch führt. Die Wege sind gesäumt von Schwertgras, welches so scharfe Kanten hat, dass ich mein Steak damit scheiden könnte.
Der Tingle-Tree, eine Eukalyptusart, hat sich hervorragend an die häufigen Buschfeuer angepasst. Während so ziemlich jeder andere Baum eingehen oder umkippen würde, wenn ein Feuer sein Kernholz verbrennt, gehört das zum Alltag der großen Bäume. Alles Lebenswichtige befindet sich in einer relativ dünnen Schicht saftiger Rinde, die auch größere Feuer übersteht. So ist fast jeder dieser Bäume, der eine gewisse Größe erreicht hat, in der Basis völlig ausgebrannt und hohl und steht dennoch weiter seinen Baum und grünt vor sich hin.
Anschließend geht es zum Conspicuous Cliff, einem rauen Küstenabschnitt. Die Wellen beeindruckend hoch, in der gesamten Bucht liegt ein salziger Nebel in der Luft. Auf dem Weg zum Strand stehen Westaustralische Pfefferminzbäume, die in der Hitze nach einer Mischung aus Zimt, Vanille und Pfefferminz duften. Am Strand fließt ein kühles Bächlein aus dem Hinterland ins Meer. Wir waten hindurch, Felix setzt sich rein.
Nach dem Mittagessen wollen wir zum größten bekannten Tingle-Tree fahren, uns schreckt jedoch das Schild „No Caravans“ an der Zufahrt zum Nationalpark ab und wir fahren erst einmal den Knoll-Drive. Dieser Scenic Drive führt zwischen zwei großen am Meer gelegenen Seen hindurch, dem Nornalup Inlet und dem Walepole-Inlet. Wir halten an einem Rastplatz, wo wir großen Pelikanen bei der Fischjagd zuschauen. Am Campingplatz dort fragen wir nach und erfahren, dass wir mit dem Camper den Tingle-Tree-Drive problemlos fahren können.
Der Weg zum Giant Tingle-Tree ist eine „Gravel-Road“, eine der hier üblichen Schotterstraßen. Hier fahren wir ohne Versicherungsschutz, aber die Straße ist in gutem Zustand. Außerdem ist es eine Einbahnstraße, nachdem wir uns dafür entschieden haben, gibt es kein Zurück mehr.
Der Drive ist noch beeindruckender als der Ancient-Empire-Walk, es gibt hier unzählige Baumriesen, zwischen denen sich die Straße entlang schlängelt. Die Bäume werden immer größer und nach 4km Fahrt und einem kurzen Walk stehen wir vor bzw. mitten im größten bekannten Tingle-Tree. Dieser umfasst mehr als 24m und besteht im unteren Teil im Prinzip nur noch aus einer dicken Rinde, die den Rest des Baumes trägt.
Da die Fahrerei auf der Schotterstraße erstaunlich gut geklappt hat, fahren wir noch ein paar Kilometer weiter zum Circular Pool. Hier staut sich ein Fluss zu einem kleinen See mit Badewannen-Temperatur an. Das Wasser ist durch Farbstoffe aus den Blättern des Waldes kaffeebraun und die Steine sind rutschig, so dass es uns zuerst etwas mulmig ist, dort zu baden. Dann entdecke ich eine Stelle mit sandigem Grund an der man leicht ins Wasser kommt und alle genießen ein Bad. Nur Felix will nicht, weil Annabell was von Krokodilen gesagt hat. Es wird bereits Abend und wir haben den Pool für uns alleine.
Unsere Camping-App zeigt uns einen kleinen Parkplatz nur 100m vor dem Campingplatz an und wir beschließen, die $50 einzusparen und dort zu übernachen. Der Parkplatz gehört zu einer historischen Säge-Grube, welche wir vor dem Abendbrot noch besichtigen. Dort wurden vor etlichen Jahrzehnten noch Bäume von Hand zu Brettern gesägt. Auf dem Rückweg ist der Wald plötzlich voll von Kängurus, die uns neugierig beäugen und weghüpfen, bevor man in Foto-Reichweite kommt.