Poreč und Rovinj
Tag 3
Fahrstrecke: 43km
Die Nacht verlief ruhig, außer uns waren nur zwei weitere Wohnmobile auf dem riesigen Parkplatz. Nach dem Frühstück laufen wir runter zur sehr schönen Altstadt. In den engen Gassen, sehen wir alte, pflanzenbewachsene Häuser und schauen uns die Euphrasius-Basilika an - eine Kirche aus der Anfangszeit des Christentums, die bemerkenswert gut erhalten ist. Vom Turm aus haben wir eine tolle Sicht über die Dächer der Altstadt.
Auf der Suche nach einer Gelegenheit zum Mittagessen entdecken wir hinter einer Gasse den ruhigen Park “Matije Gupca”. Hier gibt neben einem schönen Spielplatz es etwas abseits des üblichen touristischen Fast-Foot-Trubels eine kleine Tapas-Bar. Bei Käse, Schinken, Salami, Oliven und der passenden Musik könnten wir glatt in Spanien unterwegs sein.
Wir schlendern noch eine Weile durch die Gassen bis wir wieder zum Wohnmobil zurück kommen. Die ganze Nacht stand dort die Ausfahrts-Schranke offen, doch als wir uns nähern, schließt sie. Es sind einige Mitarbeiter beim Parkplatz unterwegs, die uns für die Nacht aber nur 120 Kuna (ca. 16€) berechnen.
Wir fahren heute nur ein kurzes Stück Richtung Süden, bis nach Rovinj. Auf dem Weg kommen wir am Limski-Kanal vorbei. Dieser imposante Meeresarm erinnert stark an einen schwedischen Fjord. Am Aussichtspunkt decken wir uns mit Trüffel-Käse und Beeren-Grappa ein. Kurz zuvor gab es auch alle 100 Meter einen Spanferkel-Grill aber der Kühlschrank ist schon recht voll.
Wir kommen nach einer reichlichen halben Stunde Fahrt am Campingplatz Porton Biondi an. Laut Rezeption ist jede Menge frei, wir sollen einfach mal durchfahren und uns einen Platz suchen. Und dabei auf die Reservierungs-Schilder achten. Nach einer Stunde abenteuerlicher Manövier-Tour über den Campingplatz (alle guten Plätze sind ab morgen reserviert; wir finden sogar einen ganz tollen, bei dem wir das Reserviert-Schild erst sehen, als wir das Auto perfekt reinmanövriert und auf den Auffahrkeilen stehen haben) - finden wir schließlich kurz vor dem Ausgang noch einen freien Platz mit traumhaften Blick auf das Meer. Hier werden wir zwei Nächte lang stehen.
Wir gehen am nahe gelegenen Strand baden und da es windig ist, nutze ich die Gelegenheit, gleich mal mein neues Material anzutesten. Ich bin der einzige Surfer weit und breit und habe entsprechend viele Zuschauer. Ein Russe filmt mich beim Aufbau des Segels und fragt hinterher, was so eine Ausrüstung kostet und ob ich schonmal einen Surfkurs gemacht habe.
Leider lässt der Wind schnell nach und nach knapp einer Stunde segle ich im Schrittempo wieder an Land.
Da wir morgen eine Radtour machen wollen, lade ich am Abend noch die Räder vom Träger und checke alles durch. Annabells Vorderrad ist platt. Ich habe zu Hause noch mal alle Reifen mit dem Kompressor aufgepumpt. Vermutlich war das etwas zuviel des Guten, bei der Wärme ist der Schlauch einfach geplatzt.
Es ist Samstag, nach 21 Uhr. Damit ist es praktisch ausgeschlossen, noch einen Ersatz-Gummi oder anderes Equipment zu bekommen. Also frage ich mich auf dem Campingplatz nach einem Flicken für den Reifen durch. Ein älteres italienisches Pärchen hat tatsächlich Flickmaterial dabei. Die beiden freuen sich, dass wir uns mit einer Mischung aus Italienisch (ich kann “guten Abend” und “Danke” sagen), Englisch, Spanisch und Google Translate super verständigen können. Wir verbringen den halben Abend damit, den Schlauch zu flicken. Erstmal auf italienisch, dann nach Anleitung. Leider funktioniert keine Methode. Ich lerne das es sich um ein “molto grande buco” (sehr großes Loch) handelt, dass am Besten mit einem “nuovi pneumatici” (neuen Reifen) zu beheben ist. Ich bekomme noch die Telefonnummer vom lokalen Fahrrad-Verleih und einem “Konsum” mit Sportartikel-Abteilung heraus, die beiden zum Sonntag offen haben. Mal schauen, wass ich morgen erreiche…
Tag 4
Fahrstrecke: ~10km mit dem Fahrrad
Der lokale Fahrradverleih hat leider keine Ersatzteile. Also radel ich nach dem Frühstück in die Stadt zum Konsum. Dort ist ein kleiner Intersport, der mir allerdings auch nicht weiter helfen kann. Aber es gibt nebenan noch den Mega-Supermarkt “Plodine”, der ein gutes Sortiment an Fahrradschläuchen anbietet.
Kurz darauf ist das Rad wieder einsatzbereit und wir starten unsere erste Kroatien-Radtour. Als erstes fahren wir in die Altstadt, welche sich auf dem Hügel einer Halbinsel befindet. Malerische alte Gassen schlängeln sich bergauf, ganz oben steht eine prächtige Kirche.
Wir essen unterwegs Miesmuscheln und gebratene Tintenfische, die Kinder teilen sich eine Pizza. Beim Essen zieht der Himmel zu, obwohl für heute Sonnenschein angesagt ist.
Wir fahren noch ein Stück weiter bis ins Naturschutzgebiet “Zlatni Rt”, welches sich auf einer weiteren Halbinsel erstreckt. Hier stehen große alte Nadelbäume und es gibt jede Menge Radwege. Das Wetter wird ungemütlich, der Wind frischt auf uns es fängt an zu tröpfeln. Mitten im Naturschutzgebiet finden wir eine kleine Bar, an der wir eine Pause mit Kaffee und Mojito einlegen.
Als es aufhört zu nieseln, umrunden wir noch die Halbinsel und fahren zurück zum Campingplatz. Als wir hier ankommen, ist der Wind weg und die Sonne scheint wieder.
Nebenan ist ein Papa mit 2 Jungs im Alter unserer Kinder angekommen, so dass sie alle zusammen spielen können.