Endlich wieder Sommer
Es ist alles nach Plan verlaufen. Am Check-In zum Hafen wurde kurz Temperatur gemessen – alle sind im Limit. Wir sind direkt vom Camper in die Kabine gegangen, haben noch kurz geduscht und gelesen und dann die gesamte Fahrt verschlafen. Noch vor unserem Wecker kommt eine Durchsage, dass wir im Bordrestaurant frühstücken könnten, gefolgt von Spam für die Geschäfte auf der Fähre. Wir packen und sitzen kurz darauf wieder im Camper.
Wir verlassen den Hafen von Golfo Aranci und halten auf einer Erhebung ein paar Kilometer außerhalb an. Hier frühstücken wir, während die Sonne über dem Hafen aufgeht.
Nach dem Frühstück fahren wir in Richtung Westen. Um die Stadt Tempio herum sind einige Sehenswürdigkeiten, die wir uns heute anschauen wollen. Schnell merken wir, dass hier alles ein wenig langsamer abläuft, als gewohnt. Dort wo wir schnell fahren könnten, sind 50 erlaubt, dort wo mehr erlaubt ist, ist es zu kurvig für höhere Geschwindigkeiten.
Der erste Stopp ist an einigen uralten Olivenbäumen. Einer davon soll 4000 Jahre alt sein, die anderen noch zwischen 500 und 2500 Jahren. Der Eintritt ist happig für 4 Bäume, aber wann bekommt man schon ein noch lebendes Wesen aus der Zeit des ägyptischen Pyramidenbaus zu sehen?
Anschließend erstehen wir direkt nebenan bei einer Bäuerin einen großen Laib Hartkäse und ein Glas Honig. Als Nächstes fahren wir nach Calangianus, um Mittag zu essen. Unser eigentliches Ziel, das örtliche Michelin-Restaurant, schaut leider sehr verlassen aus – hoffentlich ist es kein Opfer der Corona-Krise geworden. Am Marktplatz finden wir dann einen Parkplatz und ein kleines Restaurant, in dem wir lecker Pasta essen.
Da Mattis noch keine Anzeichen von Müdigkeit zeigt, besuchen wir noch sehr alte Hügelgräber, sogenannte Dolmen im Nachbarort.
Die Kinder finden es toll, die Höhlen unter den riesigen Steinplatten zu erkunden. Ich warne sie gerade, auf die Köpfe zu achten – wenige Sekunden später sitzt Felix weinend mit blutendem Kopf im Gras. Ich sehe uns schon im Krankenhaus, aber er hat sich zum Glück nur eine leichte Schürfwunde eingehandelt.
Nach der Erkundungstour ist Mattis endlich müde. Wir fahren eine sehr kurvige Strecke in gemütlicher Geschwindigkeit bis zum Lago del Goghinas – einem großen Stausee des gleichnamigen Flusses. Dort finden wir einen Parkplatz, mit nahezu direktem Strandzugang (nur ein kleiner Zaun ist zu überklettern) und legen eine Badepause ein.
Als der Abend naht, fahren wir den Großteil der kurvenreiche Strecke zurück, zweigen auf eine noch kurvigere Serpentinenstraße ab und fahren bis auf über 1300 Meter Höhe, zum Monte Limbara, wo wir uns nach einem kurzen Fotostopp einen Stellplatz für die Nacht suchen.
Unser Parkplatz ist kurz unterhalb vom Gipfel. Hier ist außer uns nichts und niemand. Ich schaue spät am Abend noch einmal raus. Die Sterne sind die einzige Lichtquelle, ich höre kein Geräusch. Es ist phantastisch (und ein ganz klein wenig unheimlich).