Drei Gipfel
Mattis scheint seinen Infekt überstanden zu haben, seine Temperatur ist gestern nicht nochmal gestiegen.
Wir stehen 6:30 auf und bereiten ein zeitiges Frühstück vor. Um 8:15 beginnen wir unsere geplante Wanderung. Zur Sicherheit haben wir eine Trage eingepackt, damit können wir uns Mattis zur Not im Wechsel umbinden und die Strecke tragen.
Wir startet auf etwa 1100 Metern Höhe. Der Pfad verläuft die ersten 2 Stunden durch dichte, schattige Buchenwälder. Zur Motivation legen wir bei jedem Kilometer, den wir geschafft haben, eine Pause mit Gummibärchen oder Bonbons ein.
Nach zwei Stunden kommen wir aus dem Wald auf eine üppig grüne, blühende Almwiese. Hier führt der Pfad weiter hinauf, entlang an kleinen Bachläufen, duftenden Blumen und jeder Menge Walderdbeeren. Die Temperaturen sind sehr angenehm, wir sind auch schon auf 1600 Metern Höhe.
Am Ende der Wiese wird es karger und steiniger. Wir nähern uns den ersten Gipfeln. Wir erreichen 1800 Höhenmeter. Die Walderdbeeren weichen Blaubeeren, die Kinder haben sich nach ein paar Schritten darauf eingestellt.
Auf dem letzten Stück zum Ersten der Gipfel, die wir heute erwandern wollen, geht es ans Klettern. Mattis braucht immer mal eine helfende Hand, ist aber mit großer Freude dabei.
Der Aufstieg bringt uns auf den Berg Popadija, der mit 2030 Metern Höhe der zweithöchste Berg unserer heutigen Tour ist. Wir genießen den beeindruckenden Ausblick. Vor uns liegen die sattgrünen Wiesen des Grbaja-Tals. Hinter uns bilden schroffe, über 2400 Meter hohe Gipfel einen kaum zu überbietenden Kontrast.
Nachdem wir uns sattgesehen haben, gibt es erst einmal eine Runde Obst zur Stärkung. Danach geht es weiter zum nächsten Gipfel, dem Talijanka. Mit 2060 Metern ist der noch ein kleines Stück höher. Kletterei bleibt uns aber erspart, wir können auf einem schmalen Bergrücken entlang von dem einen zum anderen Gipfel laufen. Dieser Kamm des Prokletije-Gebirges bildet gleichzeitig die Grenze zwischen Albanien und Montenegro.
Eine dreiviertel Stunde später kommen wir auf einem recht vollen Talijanka an. Wir sind die Runde anders herum als “üblich” gelaufen, so dass wir weitgehend allein wandern konnten. Der Berg hier bildet in etwa die Mitte der Strecke, so dass wir hier ziemlich vielen anderen Wanderern begegnen, die sich ebenso wie wir freuen, am höchsten Punkt der Route angekommen zu sein.
Wir haben die Hälfte der Strecke geschafft und gönnen uns ein üppiges Mittagessen mit Brot, Salami, Oliven, Obst und Gemüse. Anschließend fühlt sich mein Rucksack recht leer an.
Ich lasse mich ein wenig zurückfallen, um Anke, Annabell, Felix und Mattis auf dem Bergrücken fotografieren zu können.
Der Abstieg zieht sich ganz schön hin. Allerdings gibt es bald wieder Blaubeeren, was die Kinder bei der Stange hält. Sie fangen sogar an, eine kleine Trinkflasche voll Beeren zu pflücken.
Einmal müssen wir uns noch anstrengen, um den Gipfel des Valusnica zu erklimmen. Dieser ist zwar “nur” 1880 Meter hoch, allerdings weht hier ein starker Wind, der sich alle Mühe gibt, uns wieder hinunter zu wehen.
Wir steigen hinab und erreichen wieder die sattgrünen Kräuterwiesen. Hier machen wir noch eine etwas längere Pause, bevor wir mit dem Abstieg zum Campingplatz beginnen.
Wir überqueren wieder die Wiese mit den Walderdbeeren. Hier ist es inzwischen recht heiß geworden, drum freuen wir uns, als wir wieder den Schatten der Buchen erreichen.
Auf den letzten zwei Kilometern wird Mattis etwas quengelig. Annabell gelingt es, ihn wieder zu motivieren, indem sie für jeden Wegabschnitt einen Namen erfinden. Als wir vom “Geröllweg” in den “Campingweg” einbiegen, wissen wir, dass wir fast wieder am Auto zurück sind.
9 Stunden, nachdem wir gestartet sind, kommen wir wieder am Camper an. Am Ende des Tages sind wir mehr als 12 Kilometer gewandert. Der höchste Punkt der Route lag fast 1000 Höhenmeter über dem Startpunkt. Alle, auch Mattis, sind die gesamte Strecke gelaufen. Mattis hatte Annabell’s Schrittzähler um und am Abend 33883 Schritte gemacht.
Wir duschen im Camper, packen zusammen und fahren noch ein Stück. Unser nächstes Ziel liegt etwa 200 Kilometer entfernt, durch die Berge dauert die Strecke aber fast 5 Stunden. Einen Teil davon wollen wir heute noch schaffen, da wir gestern einen unserer Puffer-Tage aufgebraucht haben.
Auf der Strecke machen wir Stopp an einem Restaurant, wo es ein sehr leckeres, etwas fleischlastiges Abendessen gibt. Mattis hat bis hierher im Auto geschlafen, ist aber nach dem Essen für den Rest der Fahrt wieder putzmunter.
Die Strecke führt durch das bergige Hinterland Montenegros. Es wird bald dunkel und die kurvige Fahrt sehr anstrengend. Gegen 22 Uhr erreichen wir einen See, an dem es ein paar Stellplätze gibt, lassen das Auto fallen und gehen direkt ins Bett. Das Reiseblog für heute muss bis morgen warten.