Canyon am Ende der Welt
Wir haben sehr ruhig geschlafen und frühstücken hoch oben über dem Canyon. Dort unten wollen wir heute wandern.
Wir fahren die gut ausgebaute Straße am Canyon entlang. Es ist gar nicht so einfach, einen Startpunkt für die Wanderung zu finden. Entlang der Abbruchkante gibt es nur Aussichtspunkte ohne einen Abstieg. Dort wo die Straße zum Fluss hinunter geht, ist die Schlucht Kilometerweit entfernt.
Erst als wir zur Stadt Çorovoda zurück fahren, den Fluss dort an der großen Straßenbrücke überqueren und ein Stück auf der anderen Seite fahren, finden wir eine Stelle, an der wir das Auto parken und bis zum Fluss hinunter laufen können.
Die Kinder sind sofort begeistert. Wir wandern über Sandbänke, durch flache Stromschnellen und durchwaten tiefere, blau schimmernde Becken.
Das Wasser ist stark mit Mineralien angereichert. Sobald es etwa einen Meter tief ist, schillert es in verschiedenen Blau- und Grüntönen.
Wir gehen noch eine Stunde in den Canyon hinein und beschließen dann, umzudrehen. Die Mittagszeit ist inzwischen vorbei und wir haben ordentlich Hunger. Zurück kürzen wir ein Stück über die Landstraße ab, so dass wir gegen 14 Uhr wieder am Camper sind.
In Çorovoda suchen wir ein Restaurant mit sehr guter Bewertung. Leider wird das späte Mittagessen zum Geduldsspiel. Nach einer Stunde kommt etwas Brot auf den Tisch. Dann kommen nach und nach die Speisen. Typisch für hier wird Hauptgericht und Beilage separat bestellt. Hier wurde es auch separat gebracht. Als endlich die Kartoffeln kommen, haben wir Gemüse und Fleisch bereits gegessen. Am Ende hat uns das Mittagessen zwei Stunden gekostet.
Wir fahren erneut die Straße hinauf, am Canyon entlang. Als wir an dessen Ende ankommen und den Punkt passiert haben, an dem wir am Morgen schon den Zugang gesucht haben, finden wir noch einen weiteren Startpunkt für eine Wanderung. Leider haben wir aber keine Zeit mehr, da wir heute Abend noch zu Thermalquellen wollen und das Navi dafür 1,5 Stunden Bergstraßen veranschlagt.
Wir freuen uns, dass die Straße breiter wird und hier sehr gut ausgebaut ist. Das Navi versucht uns allerdings ständig in Feldwege zu leiten. Wir ignorieren das, worauf das Navi jedes mal 15 Minuten auf die Zeit aufschlägt. Nach ein paar Kilometern wissen wir auch, warum.
Wir verlassen die asphaltierte Straße und holpern noch ein Stück weiter.
Die Straße endet abrupt an einem Berg. Wir drehen um und versuchen einige der vom Navi vorgeschlagenen Alternativen.
Uns kommen einige PKW entgegen, die uns Zeichen geben, dass wir hier mit dem Camper nicht weiter kommen. Ein Albaner mit Allradfahrzeug erklärt uns, es gibt hier einfach keine Straße mehr, die für normale PKW oder gar Camper. Wir müssen leider zurück bis nach Berat.
Wir fahren erst einmal zurück zum Canyon. Es ist noch Zeit für einen Badestopp und eine kleine Wanderung.
Mattis freut sich, dass er noch ein wenig im warmen Wasser schwimmen kann. Ich gehe mit Annabell und Felix in den Canyon. Hier steht das Wasser recht hoch, teilweise müssen wir schwimmen. In der Abendsonne leuchten die Wände golden.
Als wir zurück sind, lassen wir die Kinder noch ein wenig schwimmen und beraten in der Zeit, wie wir weiter machen. Wir beschließen, heute Abend noch nach Berat zu fahren und von dort aus morgen die Strecke neu zu planen.
Anke fährt, ich schreibe unterwegs das Reiseblog. Nach 1½ Stunden Gekurve durch die Berge sind wir wieder in Berat, 15 Minuten später an einem kleinen, außerhalb gelegenen Campingplatz auf einem Weingut. Wir werden freundlich mit einem Glas des Hausweins begrüßt. Am Abend sitzen wir noch im Restaurantgarten und genießen den Wein, während Anke die Strecke für morgen neu plant.