Fun mit der Bahn
Dieses Jahr fahren wir in den Herbstferien nach Italien - genauer gesagt nach Neapel. “Wir” sind dieses mal nicht nur wir fünf, sondern gleich neun - eine richtige Reisegruppe. Hintergrund ist, dass Oma Margott den Urlaub von Torsten und Silke und uns zum 80. Geburtstag bekommen hat. Und wir fahren alle zusammen.
Um möglichst wenig zu fliegen, haben wir den Nightjet der ÖBB ab München gebucht. Wir starten um 14:30 von zu Hause und fahren mit der Regionalbahn zum Leipziger Hauptbahnhof. Unterwegs kommt eine Mail, dass unser ICE 5 Minuten verspätung haben wird. Wir sind entspannt, denn wir haben in München eine Stunde Puffer.
Am Bahnhof treffen wir uns mit Oma Margott. Sie meint, hoffentlich klappt das mit dem Zug. Ich habe inzwischen noch zwei E-Mails bekommen: wir werden etwas 20 Minuten verspätet abfahren und auch - welch Überraschung - 20 Minuten später ankommen. Wir bleiben entspannt, wir haben ja eine Stunde Puffer.
Während wir uns auf dem Bahnhof die Zeit vertreiben und uns mit Lesestoff und Kaffeetrinken eindecken, wird die Abfahrts- und Ankunftszeit unseres Zuges ständig aktualisiert. Alle 5 Minuten kommen 2-3 Minuten Verspätung hinzu. Inzwischen habe ich 10 Mails im Posteingang und bin nicht mehr ganz so entspannt. Die Bahn kann nicht nur “nicht pünktlich”, sie können nicht einmal die Unpünktlichkeit brauchbar verwalten und eine Prognose über die Ankunftszeit machen, die 5 Minuten Bestand hat.
Als die Fahrplan-App eine alternative Verbindung vorschlägt, steigen wir kurzentschlossen in den Zug nach Halle und fahren von dort nach München. Wir verlieren zwar unsere Sitzplätze, haben aber wieder eine Stunde Puffer. Der ursprüngliche Zug hat inzwischen 45 Minuten Verspätung, scheint aber zumindest in Leipzig angekommen zu sein.
Wir haben Glück und finden alle einen Sitzplatz. Silke schreibt uns inzwischen, dass sie (von Stuttgart nach München) pünktlich ankommen sind und noch zwei Stunden Puffer haben. Bahnfahren ist wie Lotto spielen, nur teurer und man gewinnt weniger.
Ich hatte im Vorfeld schon gewitzelt, dass die Deutsche Bahn der größte Risikoposten unserer Reise ist. Letzte Woche bekam ich von der ÖBB mehrere Warnungen, dass aufgrund von Überschwemmungen etliche wichtige Strecken in Österreich von Bau- und Aufräumarbeiten betroffen sind. Aber während eine halbe Sintflut die ÖBB kaum aus dem Takt bringt, liefert die Deutsche Bahn wie erwartet, auch ohne Unwetter …
Letzlich kommen wir rechtzeitig in München an. Auch unser eigentlich geplanter Zug landet gerade noch rechtzeitig - ich weiß gar nicht, warum wir nicht mit dem gefahren sind. Wir treffen Silke, Torsten und Luisa und warten auf den Nachtzug.
Nach einigen Querelen mit dem Gleis (wir werden zu Gleis 13 geleitet, der Zug kommt aber auf Gleis 11 an) und der Zeit (laut Anzeige kommt der Zug 30 Minuten später, er kommt aber fast pünktlich), checken wir im Zug ein.
Hier gibt es gleich eine sehr positive Überraschung: wir haben einen der ganz neuen Nightjets erwischt. Die Abteile sind supermodern und komfortabel, alles ist ordentlich und sauber.
Mattis kommt im 4er Abteil von Silke, Torsten und Luisa unter. Wir machen die beiden Kleinen bettfertig, dann gibt es noch einen Umtrunk in unserem Abteil.