Pompeji
Für heute ist ein Wetter angesagt, wie wir es uns gestern für den Vesuv gewünscht hätten. Es herrscht schon beim Aufstehen strahlender Sonnenschein und es soll den ganzen Tag so bleiben. Dennoch ist es nicht zu warm, so dass es sich auch im Freien gut aushalten lässt.
Auch für unser heutiges Vorhaben passt das Wetter perfekt. Wir wollen uns heute Pompeji ansehen - eine Ausgrabungsstätte gigantischen Ausmaßes, in der eine komplette historische Metropole nach 2000 Jahren unter Asche für Touristen zugänglich gemacht wurde.
Am Eingang gibt es gleich die erste Überraschung: heute, am ersten Sonntag im Monat, ist der Eintritt hier kostenlos. Zwar wird die Urlaubskasse dadurch um ein gutes Abendessen erleichtert, es ist aber auch gerammelt voll und vor dem Eingang steht bereits eine ewig lange Schlange. Da aber Keiner Tickets kaufen braucht, geht es zügig voran und nach 20 Minuten wandeln wir auf den Spuren der alten Römer.
Als der Vesuv im Jahr 79 ausbrach, lebten zwischen 20'000 und 30'000 Menschen in Pompeji. Der Berg spuckte Asche und kleine Bimsstein-Fragmente in etliche Kilometer Höhe. Diese fielen über den Tag langsam auf Pompeji hinab und bildeten langsam eine Schotterdecke über der Stadt, welche pro Stunde um etwa 15 Zentimeter wuchs.
Die herabfallenden Steine und Asche bildeten schnell eine tonnenschwere Schicht auf den Häusern, die die Decken einbrechen ließ. Wer nicht innerhalb der ersten Stunden floh, hatte keine Chance mehr, die Gegend zu verlassen.
Was den Menschen damals zum Verhängnis wurde, ist für die Archäologen von heute ein großes Glück: Zwar wurden fast alle Dächer der Gebäude durch die Naturkatastrope zerstört, die senkrecht stehenden Mauern jedoch fast unversehrt konserviert. Noch heute liegt ein Teil der Stadt verschüttet und wartet darauf, ausgegraben zu werden.
Als nach etlichen Stunden die Kraft des Vulkanausbruchs nachließ, fiel die Aschewolke in sich zusammen. Unmengen von Stein, Asche und heißem Gas jagte mit hoher Geschwindigkeit die Hänge des Vesuv hinab - der pyroklastische Strom. Wer zu dem Zeitpunkt auf dem Weg aus der Stadt war, wurde in wenigen Augenblicken von dieser Welle verschüttet.
Vor dem Ausbruch im Jahr 79 hatte sich der Vesuv über mehrere Jahrhunderte völlig ruhig verhalten. Überlieferungen über vorhergehende Ausbrüche waren längst in Vergessenheit geraten. Selbst die Tatsache, dass es sich bei dem Berg um einen Vulkan handelt, war keinem der Zeitgenossen bewusst.
Nachdem wir das große Gelände einmal durchquert haben, machen wir uns auf den Rückweg. Es ist noch immer total spannend und es gibt jede Menge zu entdecken, aber unsere Energie ist langsam aufgebraucht und die Kinder haben auch keine Lust mehr.
Nach fast 6 Stunden Besichtigung kommen wir wieder am Ausgang an. Wir sind stolz auf die Kids, die so lange durchgehalten und kaum gemurrt haben. Zwar sind wir uns einig, dass wir hier noch mehrere Tage hätten verbringen können, aber für heute reicht es uns allen. Wir spüren die Füße und haben den Kopf voll von Eindrücken, die erst einmal verarbeitet werden wollen.
Wir schließen den Tag mit einem wunderbaren italienischen Abendessen ab. Es gibt Pasta, Fisch und Seafood und ein kleines Steak für mich.