Napoli Sotterranea
Nach zwei Tagen relaxen sind die Batterien wieder voll genug für etwas Geschichte. Unser Weg führt uns heute ins Zentrum von Neapel. Es herrscht reichlich Verkehr, wir zuckeln in Schrittgeschwindigkeit die Zubringerstraße entlang.
Zunächst müssen wir einen Parkplatz finden, und da sind wir bei Weitem nicht die Einzigen. Als wir gegen 10 in der Stadt ankommen, sind alle günstigen und überhaupt alle halbwegs erreichbaren Parkgelegenheiten schon besetzt. Wir finden ein Parkhaus in einer etwas abgelegenen Gasse, von dem wir hoffen, dass es noch nicht voll ist.
Nach einer etwas abenteuerlichen Tour durch kleine Gassen, vorbei an Wochenmärkten und mehreren Staus und Hupkonzerten kommen wir am Parkhaus an. Torsten wird hereingewunken, mir wird gesagt, dass es jetzt voll ist. Zum Glück reicht mein italienisch inzwischen aus, um klarzumachen, dass wir zusammen gehören. Wir geben die Autos nebst Schlüssel ab und machen uns auf, ein Stück des ältesten Teils der Stadt anzuschauen.
Neapel wurde um 500 vor Christus von den Griechen als Nea-Polis, “die neue Stadt”, gegründet. Zur Wasserversorgung gruben die Griechen ein komplexes Netzwerk von Aquädukten in das weiche vulkanische Tuff-Gestein. Dieses wurde im Laufe der Jahrhunderte ständig erweitert und versorgte die Stadt bis Ende des 19. Jahrhunderts mit Trinkwasser. Wir haben für heute eine geführte Tour in diesen “Untergrund Neapels” gebucht.
Wir steigen als erstes über Stufen im Fels etwa 30 Meter in die Tiefe. Hier herrschen angenehm kühle Temperaturen. Der erste unterirdische Raum erscheint uns sehr groß. Unsere Gruppe verteilt sich und wir erfahren, dass hier im zweiten Weltkrieg bis zu 3000 Menschen unterkamen. In dem Kontext wirkt der Raum dann doch eher beschaulich.
Nach einem kurzen Crashkurs in neapolitanischer Geschichte (Neapel hat sich als einzige italienische Stadt schon 1943 aus eigener Kraft von den Nazis befreit, die Bunker waren noch bis Kriegsende zur Sicherheit in Betrieb), geht es weiter in den noch heute wasserführenden Teil der Tunnel.
Nach einer Stunde und einer Fülle an Informationen zur Geschichte der Tunnel kommen wir wieder ans Tageslicht. Die Tour ist aber noch nicht ganz zu Ende. Wir gehen ein Stück durch die Stadt in ein von außen recht unscheinbares Haus. Auch im Inneren ist es eher unscheinbar, an einigen Stellen wurde der Putz von den Wänden entfernt und wir sehen darunter alte römische Mauern aus der Zeit um Christus. Eine Falltür führt uns in den “Keller des Hauses”.
Das gesamte Viertel hier wurde auf einem ehemaligen römischen Theater aufgebaut. Das alte Bauwerk wurde dabei im Laufe der Jahre mehrfach vollständig überbaut. Inzwischen ist es ein Weltkulturerbe und es wird versucht, möglichst viel von der ursprünglichen Architektur zu finden und zu erhalten.
Nachdem uns unser Guide zurück zum Eingang geführt und verabschiedet hat, erkunden wir Neapel noch ein wenig oberirdisch. Wir brechen auf in Richtung San Martino, einem Kloster auf einer Bergkuppe, von wo es eine gute Aussicht über die Metropole geben soll.
Wir steigen die Treppen in Richtung Kloster hinauf. Schon bald lassen wir den Lärm und Trubel der Gassen hinter uns. Allerdings ist der Weg doch etwas anstrengend und ganz schön lang. Nach einem Drittel kommen wir an einer Zwischenhaltestelle der Bahn an und kaufen uns Tickets bis hinauf.
Hinab nehmen wir wieder die Bahn und schlendern dann in Richtung Auto. Wir stoppen an einer Gelateria und heben die Laune mit leckerem Eis. Dann schauen wir uns die U-Bahn-Station “Toledo” an, welche besonders schön sein soll.
Da wir schon einmal hier sind, fahren wir gleich drei Stationen mit der Metro und sparen uns eine halbe Stunde Fußweg. Zurück im Parkhaus fädeln wir uns wieder aus der Stadt und fahren heim ins Hotel.
Wir suchen uns noch ein schönes Restaurant mit Blick auf’s Meer für unseren letzten Abend. Es gibt vor allem Fisch und Pasta. Danach lassen wir den Tag an der Hotelbar ausklingen.