Rainy Circle
Die Nacht hat es komplett durchgeregnet und auch heute früh sieht es nicht besser aus. Da wir heute eine Tour mit dem Wohnmobil geplant haben, ist das nicht ganz so tragisch.
Nach dem Frühstück fahren wir los in Richtung “Golden Circle”, der heute eher ein “Rainy Circle” ist. Der erste Stopp ist der Kerið Krater, an dessen Grund sich ein See gebildet hat.
Wir wandern einmal um den Krater herum, hinab zum See und wieder in den Camper. Schon geht es weiter zum nächsten Wegpunkt, dem Strokkur-Geysir. Bevor wir den Rundweg dort laufen, setzen wir auf dem Parkplatz noch die Kartoffeln für das Mittagessen an.
Auf dem Gelände gibt es jede Menge große und kleine Geysire. Der größte davon, der Strokkur-Geysir, bricht regelmäßig etwa alle 5 Minuten aus.
Wir essen im Wohnmobil und fahren dann weiter zum “Gullfoss”, dem “goldenen Wasserfall”. Auch der ist heute eher grau.
Danach geht es zum letzten Punkt für heute, einem der großen Highlights unserer Reise: der Silfra-Spalte. Dort entfernen sich die nordamerikanische und eurasische Kontinentalplatte voneinander und hinterlassen einen tiefen Riss in der Erde.
Ein Teil der Spalte hat sich mit Gletscherwasser gefüllt, welches über 80 Kilometer innerhalb von Jahrzehnten durch den Stein sickert, dabei gefiltert wird und extrem klar ist. Die Unterwasserwelt, die es dabei bildet, wollen wir heute erschnorcheln.
Das geht nur mit einer professionell organisierten Schnorcheltour. Das Wasser ist kalt, nur knapp über 0 Grad, daher wird spezielle Ausrüstung benötigt. Außerdem geht das erst ab 12 Jahren, Mattis bleibt im Camper und wird mit genügend Unterhaltung und einem Telefon für den Notfall ausgestattet.
Unser Guide Willfred weist uns ein und beginnt uns in Trockenanzüge zu packen. Bis unsere Gruppe (wir vier und noch zwei andere Touristen) komplett eingepackt ist, dauert es fast eine ganze Stunde. Er ist äußerst gründlich, wir wollen ja auch kein eiskaltes Wasser im Anzug haben. Wir bekommen viele Hinweise, unter anderem, wie wir uns am besten unter Wasser fotografieren lassen können (Kopf schräg, mit der Schnorchel-Seite über Wasser).
Als erstes gewöhnen wir uns an die Anzüge und das Gefühl des kalten Wassers im Gesicht. Willfred gibt uns noch ein paar Instruktionen, dann können wir losschnorcheln. Ich habe ein Handy mit wasserdichter Hülle dabei, um Fotos zu schießen. Auch Willfred hat eine Kamera im Gepäck, die Bilder bekommen wir am Ende.
Das nachströmende Wasser erzeugt eine leichte Strömung, die uns langsam in Richtung See treibt, an dem die Spalte endet.
Wir hatten Bedenken, dass es aufgrund der Wolken auch unter Wasser dunkel und grau ist. Die Farbenpracht, die uns erwartet, überrascht und fasziniert uns.
Die Gegend ist dauerhaft geologisch aktiv. Die Spalte in der wir tauchen, ist ein paar Jahrzehnte jung. Daneben entsteht bereits eine neue Spalte, “Baby-Silfra” genannt. Diese ist noch zu schmal, um durchzutauchen, wird aber irgendwann ähnlich groß sein, wie die Silfra-Spalte.
Nach fast einer Stunde im Wasser sind wir begeistert, aber auch etwas durchgefroren - trotz der dicken Anzüge. Wir gehen zurück zur Basisstation, werden von den Anzügen befreit und bekommen einen heißen Kakao mit Schokokeksen.
Nach dem Abendbrot fahren wir noch ein ganzes Stück bis nach Hella, wo wir morgen früh die nächste Tour starten wollen.
1 Camping Selfoss
2 Kerið-Krater
3 Strokkur-Geysir
4 Gullfoss-Wasserfall
5 Silfra-Spalte
6 Arhus Cottage Camping, Hella